Bodenreform Zukunft

„Ein Blick in die Ferne“
Artikel von Falk Lange

„Mein größter Wunsch: Eine neue Bodenreform in Deutschland!!! Jeder, der das möchte, soll kostenlos 1 Hektar Land bekommen, um dort einen schönen Garten anzulegen.“

Der Aufsatz ist im Oktober 2014 im GartenWeden Blog erschienen:
http://blog.gartenweden.de/2014/10/23/1327/

Wir veröffentlichen hier lediglich den Text. Den gesamten Artikel lesen kann man hier.

Ich heiße Falk. Ich lebe jetzt im Jahr 2014. Heute ist vieles anders als früher. Am 7. Oktober 1986 bin ich hier auf die Erde gekommen. Ich bin noch hier, aber ich weiß noch nicht wo ich hingehöre. Ich bin ständig auf der Suche nach einem Ort, an dem ich bleiben möchte, einen Ort, an dem es schön ist und ich willkommen bin, den ich so sehr mag, dass ich dort mein restliches Leben verbringen möchte. Es gibt diesen Ort, da bin ich mir sicher. Einen Ort, an dem ich schöpfen und er-schöpfen kann. Einen Ort, an dem ich nicht nur die schnellwachsenden Gemüsepflanzen fürs nächste Jahr plane, sondern auch langfristige Pläne schmieden kann. Ein lebendiges Haus aus Bäumen wächst Jahre bis es fertig ist. Die Obstbäume und Sträucher um mein Grundstück brauchen Jahre um groß zu werden und eine dichte Hecke zu bilden. Ich suche noch Den Grund zu leben, den Ort. Meine Aufgabe ist mir schon lange klar. Ich hüte und behüte meinen Garten, egal wo ich gerade lebe und sich mein Garten befindet, ich habe einen Grund früh aufzustehen, meinen Garten zu beobachten und mich über meine Pflanzen zu freuen.

Heute ist vieles anders als früher. Viele Fehler wurden gemacht, da die Vor-sicht der Menschen fehlte. Es ist Zeit die Fehler klar und deutlich zu benennen und nach guten Lösungen zu suchen. Der Fehler der mir am wichtigsten erscheint, ist das heutige Eigentumsrecht und die Behandlung der Erde als zahlungspflichtige Ware.

  1. Wie wird die Erde aufgeteilt?

Die Erde wird in gleich große 100 mal 100 Meter Stücke aufgeteilt. Interessierte Familien und Alleinstehende können sich für diese freien Familienlandsitze als Hüter bewerben. Jeder Familie darf höchstens 100 mal 100 Meter gehören. Wer mit seiner Familie bereits 100 mal 100 Meter Erde bewohnt und behütet, darf dieses Land behalten.

Dieses Stück Erde muss nicht mehr mit Geld bezahlt werden und ist auf ewig steuerfrei. Die Menschen werden nicht mehr gezwungen Steuern und andere Abgaben zu bezahlen, denn alle Menschen haben sich von dem Fehler der Zwangsabgaben gelöst.

  1. Was passiert mit den Menschen/ Familien, die mehr als 1 Hektar Land als ihr Eigentum bezeichnen, und dieses nicht anderen Familien kostenlos freigeben möchten?

Das weiß ich nicht genau. Es gibt viele Wege. Diese Menschen halten an dem Gedanken fest, dass die Erde eine Ware ist und damit gehandelt werden darf. Es ist möglich mit der Erde zu handeln, das sehen wir heute im Jahre 2014. Doch dies kommt nur wenigen zu Gute. Der Großteil der Menschen leiden darunter, da sie kein Geld haben die Erde zu bezahlen. Der Zugang zur Erde wird ihnen von wenigen anderen versperrt.

Wenn der Fehler erkannt wird, kann er gelöst werden. Die Lösung ist das Freigeben der Erde, aufgeteilt in 1 Hektar Familienlandsitze, mit Familien als Hüter der Erde. Dies ist für das Wohl der Menschen, denen bereits so lange der Zugang zur Erde versperrt wurde.

  1. Wer verteilt die freien und wieder freigegebenen Familienlandsitze an die landlosen Familien und Alleinstehenden?

Ein Gemeinderat verteilt die freien Familienlandsitze an die interessierten Familien und Alleinstehenden.

  1. Was passiert, wenn eine Familie nicht mehr auf ihrem 1 Hektar Familienlandsitz wohnen möchte?

Wenn andere Familienangehörige auf diesem Familienlandsitz leben möchten, kann er kostenlos und steuerfrei an diese vererbt werden.Falls dies nicht der Fall ist, wird der 1 Hektar wieder freigegeben. Es kann sich eine andere Familie für diesen Familienlandsitz als Hüter bewerben. Da die Erde nicht mehr als Ware behandelt wird und unverkäuflich ist, ist die Übergabe kostenlos und steuerfrei. Es findet keine Geldübergabe mehr statt.

  1. Warum ist eine Besteuerung des Landes unnötig und unfair?

Jede Besteuerung der Erde und somit der Familien ist eine Fremdsteuerung, die sich andere Menschen ausgedacht haben, um diese Familien zu steuern und zu manipulieren. Es gibt Menschen, die so über andere Menschen Macht ausüben wollen und diese nach Belieben steuern möchten. Doch die Familien sehen sich als Hüter ihres 1 Hektar Familienlandsitzes und möchten die volle Verantwortung für ihr Leben übernehmen. Sie möchten selbst das Steuer in die Hand nehmen und selbstbestimmt leben.

Falk Lange Hellmich

Hartz IV ist offener Strafvollzug

Diesen Artikel gibt es im Original auf:
http://www.fr.de/wirtschaft/gastwirtschaft/existenzminimum-hartz-iv-ist-offener-strafvollzug-a-1367850

 

4,4 Millionen Menschen leben vom Existenzminimum: 409 Euro monatlich für Essen, Bildung und Leben. Doch selbst da kann man noch kürzen. Die Gastwirtschaft.

13.10.2017 09:18 Uhr

Ganz Deutschland redet von der Obergrenze. Ganz Deutschland? Nein! 4,4 Millionen Menschen reden von der Untergrenze. Sie leben vom Existenzminimum, vulgo Hartz IV. Wer keine reichen Eltern, keine Ausbildung und keinen Job hat, bekommt Miete, Krankenkasse und 409 Euro monatlich für Essen, Bildung und Leben. Das ist nicht viel. Klar. Ist ja auch das Minimum. Weniger geht nicht.

Soll dann aber doch gehen: Etwa eine Million Mal jährlich wird dieses Minimum nicht voll ausgezahlt. Als Strafe wird das Geld gekürzt. 70 Prozent der Sanktionen gibt es, weil ein Jobcenter-Termin nicht wahrgenommen wurde. Was passiert bei dem Termin? Es werden Pläne gemacht, wie die Menschen wieder in Arbeit kommen. Sisyphos lässt grüßen: Über eine Million Hartzer sind voll- oder teilzeitbeschäftigte Aufstocker.

Jobcenter sind nicht im 21. Jahrhundert angekommen

Die Vision von Vollbeschäftigung bis 2025 ist absurd: Wer 2025 die Arbeit macht? Sicher nicht die Menschen jenseits der Untergrenze. Adidas eröffnet eine Schuhfabrik, die nur Roboter anheuert. Die Deutsche Post testet einen Briefträger-Bot. Selbst der Müll wird vom selbstfahrenden LKW abgeholt.

Jugendliche werden besonders schnell und besonders hart sanktioniert. Wer sich zweimal fehl verhält, bekommt kein Geld mehr – gar keins. Kitas und Schulen sind im 21. Jahrhundert angekommen – Jobcenter leider nicht. Grundrecht auf freie Berufswahl? Fehlanzeige! Wer nicht Altenpflegerin, sondern Musikerin werden will, wird sanktioniert.

Rund 400.000 Menschen existieren unter dem „Minimum“. Wie das geht, will keiner wissen. Wer stark genug ist, findet einen Weg. Schwarzarbeit, solche Sachen. Wir zwingen Menschen in die Illegalität, weil sie sich nicht in ein fremdes Leben zwingen lassen.

Schon der Begriff erregt Grauen: Hartz IV ist offener Strafvollzug. Wer nicht spurt, wird bestraft. Angst und Frust sind kein Motivator.

Was wäre die Alternative? Vertrauen wäre geil. Wir haben in Deutschland schon mehrfach erfolgreich vertraut: 1973 wurde die Prügelstrafe an Schulen abgeschafft. 1998 die Vergewaltigung in der Ehe. 2018 endlich die Sanktionen?

Lernen kann Spaß machen. Sex kann Spaß machen. Das Leben auch. Selbst am Rande des Existenzminimums.

Helena Steinhaus ist Geschäftsführerin des gemeinnützigen Vereins Sanktionsfrei.

Free Social World

Einfach spannend,  …..
Unsere Zukunftsvision

Die Wirtschaft der Zukunft funktioniert ein bisschen anders. Sehen Sie, im 24. Jahrhundert gib es kein Geld… Der Erwerb von Reichtum ist nicht mehr die treibende Kraft in unserem Leben. Wir arbeiten, um uns selbst zu verbessern — und den Rest der Menschheit.

(Zitat: Captain Jean-Luc Picard, Star Trek)

Eine Welt, in der Geld überflüssig ist

Unsere Zukunftsvision ist eine geldlose Gesellschaft auf Basis einer globalen, sozialen Marktwirtschaft, die die Realwirtschaft unabhängig von der Finanzwirtschaft macht.

Wir möchten eine größere Anzahl von Menschen aus allen möglichen Ländern weltweit zusammen bringen, die sich von der Macht des Geldes weitestgehend befreien und hoch motiviert einen großen Teil ihrer individuellen Fähgkeiten, ihrer Arbeitskraft und ihres Kapitals allein gegen Anerkennung in die Gemeinschaft einbringen.

Im Gegenzug werden diese Personen von der Gemeinschaft mit jeglichem Grundbedarf für ihr Leben (Lebensmittel, Unterkunft) und mit gesellschaftlicher Teilhabe und angemessenem „Luxus“ (z.B. Mitnutzung von gemeinschaftlichen Fahrzeugen und Urlaubsangeboten) versorgt.

Diese Vorstellung ist kein Sozialismus, sondern trägt den invidividuellen Fähigkeiten, Wünschen und Lebensvorstellungen jedes Einzelnen Rechnung. Jedem Einzelnen soll innerhalb dieses Systems jederzeit die größtmögliche persönliche Freiheit ermöglicht werden, z.B.

  • nur einen Teil seines Lebens mit Arbeit zu verbringen,
  • sich zu bestimmten Zeiten vorrangig um die Familie kümmern zu können,
  • oder auch nur seine Grundversorgung über das Netzwerk zu sichern und
  • sich für zusätzlichen Luxus außerhalb des Netzwerks zu betätigen.

Statt Geld wird dann innerhalb der Gemeinschaft Anerkennung als Basis für eine gerechte Verteilung der gesellschaftlichen Leistungen verwendet. Wieviel Anerkennung eine Leistung für die Gemeinschaft wert ist, entscheidet die Gemeinschaft durch gemeinsame Bewertung.

In diesem netzwerkinternen, alternativen Wirtschaftssystem gibt es keinen Anspruch auf unermesslichen Reichtum eines Einzelnen. Grundsätzlich soll möglichst viel von unserer Erde möglichst vielen Menschen gemeinsam gehören.

Mittel zum Zweck ist dabei eine gerechte „Entlohnung“, die heute im Kapitalismus praktisch nie gegeben ist.

Unsere Ideen wurden ursprünglich inspiriert von Gedanken, die sich Egon W. Kreutzer schon 2007 bis 2009 in seinen Artikeln zu folgenden Themen machte

und von den Forderungen zu einem bedingungslosen Grundeinkommen, wie sie vom

gestellt werden.

Wir gehen davon aus, dass ein Bedingungsloses Grundeinkommen auf politischer Ebene in den nächsten 30 Jahren wohl eher nicht realisiert werden wird und dass unsere Gesellschaft derzeit auch noch nicht reif dafür ist, so etwas auf wirtschaftlicher Ebene zu realisieren. Wir denken aber, dass unsere Initiative uns einen Schritt auf dem Weg in diese Richtung voran bringen kann.

Urheberrecht © 2018, FreeSocialWorld.net.

Bildung&Schule

Auf diesen folgenden Artikel möchte unbedingt verwiesen werden. Ein Teil des Artikels wurde nicht übernommen, am Text selbst wurden keine Änderungen vorgenommen.
Der Artikel kann hier gelesen werden oder aber auf der Seite vom Bayrischen Rundfunk (www.br.de) unter dem direkten Verweis https://www.br.de/nachrichten/gerald-huether-kinder-100.html.

Neurobiologe Gerald Hüther „Wissen kann man nicht beibringen“

Immer mehr Kinder in Deutschland leiden unter hohem Stress. Neurobiologe und Lernforscher Prof. Gerald Hüther sieht das jedoch nur als Symptom eines viel größeren Problems: „Wir behandeln unsere Kinder wie Objekte, die man nach Wunsch formen kann.“

Stand: 22.01.2017 |Bildnachweis

Gerald Hüther Bildrechte: BR (Bildnachweis)

Erneut gingen die Schüler Singapurs als Sieger des PISA-Tests hervor. Sowohl in Mathematik, Naturwissenschaften und Lesekompetenz hat der Stadtstaat aus Südostasien den Rest der Welt abgehängt. Den Preis für diese Goldmedaille zahlen die Kinder. Tage von bis zu zwölf Stunden, vollgestopft mit Unterricht, Nachhilfe und sonstigen Förderprogrammen sind keine Seltenheit. Die Ansprüche der Eltern sind enorm, und eine ganze Nachhilfeindustrie profitiert davon.

Freude am Lernen

Eine Tendenz, die auch in Deutschland erkennbar ist. Jedoch Kindern Wissen einzubläuen, nur weil wir Erwachsenen meinen, dass sie das am besten für den Wettbewerb des Lebens vorbereitet, kann langfristig auch das Gegenteil verursachen. „Wissen müssen sich die Kinder selbst aneignen wollen“, sagt der Neurobiologe und Lernforscher Prof. Gerald Hüther. Das Wichtigste was Schule Kindern mitgeben sollte, ist die Freude am Lernen. „Wer die Freude am Lernen verliert“, so Hüther, „verliert auch die Freude am Leben.“ Eines der Hauptprobleme in Deutschland sei jedoch, dass unser Schulsystem nie dafür gedacht war, lernfreudige Kinder auszubilden.

Schulen dienen mehrheitlich der Systemerhaltung

Die Grundidee des deutschen Bildungssystems stammt aus dem 19. Jahrhundert. Es galt, durch einen einheitlichen Lehrstoff und einheitliche Prüfungen junge Menschen auszubilden, die mit ihrem erlernten Wissen zur Erhaltung des Staates beitragen. Mit der sogennnten „preußischen Bildungsreform“ sollte die Beamtenelite von morgen geschaffen werden. Das Abitur als Voraussetzung für einen Studienplatz und die allgemeine Schulpflicht entstanden in dieser Zeit. Wissen ist Macht, war die Maxime. Das Kind als Subjekt mit seinen ihm eigenen Talenten, Begabungen und Besonderheiten stand dabei nie im Mittelpunkt.

„Wir erziehen Kinder zu Einzelkämpfern“

An dieser Vorstellung der Bildung hat sich seit damals nicht viel geändert. Doch unsere Gesellschaft hat es. Wettbewerb und Effizienz sind die Götter der modernen Ökonomiegesellschaft. Laut Hüther bedeute das für uns Folgendes:

„Unsere gegenwärtige Gesellschaft ist im Wesentlichen eine vom Wettbewerb bestimmte Konsumgesellschaft, und deshalb brauchen wir Kinder, die möglichst wettbewerbsfähig sind. Für den Wettbewerb bereiten wir die Kinder optimal vor, und als Kunden bereiten wir sie insofern vor, dass sie aus den Schulen ja meist herauskommen und nicht wissen, was sie eigentlich wollen, wozu sie da sind und wozu das Lernen überhaupt gut ist. Wir erziehen sie zu Einzelkämpfern.“

Gerald Hüther

Damit erliegen wir einem doppelten Trugschluss. Aus Sicht der modernen Lernforschung kann man niemanden dazu bringen, sich vorselektierten Lernstoff dauerhaft anzueignen, wenn man es nicht gleichzeitig schafft, Begeisterung für das zu Lernende zu erzeugen. Oder wieviel wissen Sie noch aus Ihrer Schulzeit?

Darüber hinaus bereiten wir auf diese Weise niemanden auf die Herausforderungen der zukünftigen Arbeitswelt vor. In Zeiten, in denen man sich beinahe jedes Wissen der Welt angoogeln kann, bräuchte man eher Nachwuchskräfte, die dieses Wissen, welches sie sich gerne angeeignet haben, kreativ umsetzen können. Wer braucht schon einen Handwerker, der weiß, was ein Schraubenzieher ist, aber nicht weiß, was er damit tun soll?

Belohnung und Bestrafung ist „Abrichtung und Dressur“

Ein erster Schritt hin zu selbstverantwortlichen und kreativ denkenden Kindern könnte zu Hause gemacht werden. Kinder zu belohnen, wenn sie etwas gut gemacht haben oder eben zu bestrafen und zu rügen, wenn sie etwas falsch gemacht haben, mag an sich logisch klingen, hat aber auch mindestens genauso logische Nachteile.

Man dürfe das natürlich machen, meint Gerald Hüther aber: „Das ist Abrichtung und Dressur wie bei Tieren im Zirkus.“ Diese dressierten Kinder „machen zur Not sogar Abitur mit 1,0, aber sie haben sich nicht entfaltet, sondern sind in einer bestimmten Weise zurechtgebogen worden.“

Kritik an Chefs der Weltkonzerne

Ohne jemanden namentlich zu nennen, richtet der Lernforscher dabei eine direkte Kritik an die Chefetagen der großen Weltkonzerne. Darin säßen Entscheider, die die beste Bildung erhalten hätten, jedoch wohl eine Bildung, die offenbar nicht dazu geführt hätte, dass diese Personen „so etwas wie ein Gewissen oder eine Selbstachtung oder eine Würde entwickelt haben, die sie dazu veranlassen würde, ihre Unternehmen auf eine Art und Weise zu führen, die dazu beiträgt, dass andere nicht darunter leiden.“

 Was für eine Welt wollen wir eigentlich?

Wir erhalten ein Jahrhunderte altes Schulsystem aufrecht und messen Kinder zu stark an unseren Erwartungen, konditionieren sie sogar wie Tiere, wenn man Gerald Hüther Glauben schenken mag. Das alles, obwohl wir nur das Beste wollen. Doch woher sollten wir es auch besser wissen? Wir sind doch selbst durch dieses System gegangen, wurden an den gleichen Maßstäben gemessen.

Genau hier verorten Kritiker wie Gerald Hüther das Grundproblem. Die Ausbildung unserer Kinder, die Morallosigkeit unseres Wirtschaftssystems und auch unsere Vorstellung einer gut gemeinten Erziehung seien Symptome einer nicht geführten Gesellschaftsdebatte. Bevor wir darüber geredet hätten, in welcher Welt wir eigentlich leben wollen, hätten wir angefangen zu wirtschaften. Die Wirtschaft sollte eigentlich dem Menschen dienen, doch mittlerweile dienten wir der Wirtschaft. Debatten über Wirtschaftsethik, Bildungspolitik oder Erziehung gingen somit die unbequeme Frage voraus: Was für eine Welt wollen wir eigentlich?

Kinder brauchen eine stabile Vertrauensbasis

Bis dahin gilt es, in dieser Welt zu leben. Leider in einer Welt, in der immer mehr Kinder an den hohen Anforderungen scheitern. Jedes 6. Kind und jeder 5. Jugendliche in Deutschland leidet unter hohem Stress, befand eine Studie der Bayer Health Care schon 2015. Das kann zwei Gründe haben: Entweder werde es dem Kind wirklich zu viel oder, so Hüther: „das Fundament, auf dem das Kind steht, ist zu dünn.“

Wir könnten dieses Fundament laut Hüther jedoch stärken. Wenn wir Kindern mehr Freiheiten ließen, lernten sie Vertrauen in sich selbst. Wenn wir für unsere Kinder bei Problemen tätig würden, anstatt ihnen „einfach nur über den Kopf zu streicheln“, hätten sie mehr Vertrauen in Andere. Wenn wir ihnen sagten und vorlebten: „Egal was kommt, es wird wieder gut!“, dann hätten sie mehr Vertrauen in das Leben an sich. Daraus bestünde das Fundament, das unsere Kinder in der Wettbewerbsgesellschaft stärken könne, meint der Neurobiologe.

 Die Zukunft der Arbeit

Ob man Gerald Hüthers Gedanken nun folgen mag oder nicht, etwas müssen wir ändern. Denn längst haben wir Werkzeuge erfunden, die schneller und effektiver arbeiten als wir. Jungen Menschen einfach viel Wissen beizubringen und ihnen vorzugaukeln, mit einem Abitur seien sie für die Zukunft bestens vorbereitet, ist vorgestrig. Keine moderne Gesellschaft braucht Nachwuchs, der mit seinem Schulwissen zu den Datenmengen von Google und Co. in Konkurrenz tritt.

Die Zukunft der Arbeitswelt besteht aus Problemlösern und kreativ denkenden Köpfen, die wissen, wann und wozu sie welches Wissen brauchen, wo sie es herbekommen und wie sie es am besten anwenden. Es braucht Menschen, die richtig Lust darauf haben, sich ständig neues Wissen anzueignen, weil es ihnen Spaß macht und nicht weil sie müssen. Wir sind dazu verpflichtet ihnen genau das beizubringen. Wer weiß, vielleicht erziehen wir genau so die Menschen, die sich irgendwann zu fragen trauen: Was für eine Welt wollen wir eigentlich?

http://www.br.de/nachrichten/gerald-huether-kinder-100.html
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